Wer wir sind

Motivation

Diese Frage kann man nicht allzu pauschal beantworten, denn es gibt gleich mehrere Motivationsformen die Freifunker verfolgen. Der häufigste Grund aber, warum ein Mensch sich für Freifunk engagiert, dürfte der gemeinnützige Aspekt und die Idee der freien elektronischen Kommunikation sein.

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Deutschland, das Sibirien der öffentlichen WLAN Zugänge

Obwohl es in Deutschland rund 1 Million freie Hotspots gibt, sind davon nur 15.000 wirklich kostenlos und öffentlich zugänglich. Andererseits kommen in Deutschland ca. 3 WLAN-fähige Geräte auf jeden Einwohner, was deutlich über dem Europaweitem Durchschnitt von 1,2 Geräten pro Kopf liegt. (Quelle) Damit bleiben große Potentiale für die freie elektronische Kommunikation ungenutzt.

Inhaber von WLAN-Zugängen haften für Rechtsverletzungen, die über diesen Zugang erfolgen. In erster Linie besteht die Vermutung, dass der Anschlussinhaber selbst der Täter ist. Um von der Haftung befreit zu werden, muss er beweisen, dass die Möglichkeit existiert, dass jemand anders der Täter sein könnte.

Das Argument, dass in Deutschland die Mobilfunknetze gut verbreitet sind und man deswegen einfach im Internet surfen kann, kann nicht ernst genommen werden: Obwohl immer mehr Datenvolumen von den Mobilfunk Anbietern angeboten wird, wird der Bedarf auch deutlich höher. Aktuell braucht ein Großteil der Handynutzer in Deutschland ihr Datenkontingent bereits zur Mitte des Monats auf. Freie Internetzugänge können hier einen positiven Effekt auf das Geschäftsklima und die Gemeinschaft haben.

Diese aktuelle Rechtslage hat sich durch den Wunsch der Industrie, unerlaubte Aktivitäten im World Wide Web zu bestrafen, ergeben. Die Störerhaftung macht es möglich immer einen Verantwortlichen zu finden, der für den möglichen Schaden aufkommt.

Die Belastung entsteht also nicht durch Schadenersatzforderungen, sondern durch die Anwaltskosten, die mit den Unterlassungsschreiben an WLAN-Betreiber verbunden sind.

In Europa steht Deutschland mit dieser Regelung recht alleine da. Kein Wunder also, dass der Ausbau von öffentlichen WLAN Zugängen ausbleibt.

Provider und ihre Sonderstellung

Als Access-Provider, der Anderen lediglich den Zugang zum Internet vermittelt, sei er für das Fehlverhalten der Nutzerinnen und Nutzer grundsätzlich nicht verantwortlich. Auch sei es ihm nicht zumutbar, Nutzerinnen und Nutzer zu identifizieren, ihr Surfverhalten zu überwachen oder bestimmte Ports, die typischerweise von Filesharing-Anwendungen benutzt werden, zu sperren.

Freifunk ist anerkannter Access-Provider in Deutschland und genießt dieses „Providerprivileg“. Er kann Nutzern durch softwaremanipulierte Router den Zugang zu sich gewähren, sodass angesteuerte Webseiten oder Inhalte direkt von ihm aus nach Hause zu unseren Endgeräten geschleust werden. Dadurch surfen wir mit der Identität von Freifunk und nicht mit unserer eigenen. Die Störerhaftung entfällt.

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„Freies Netz“ heißt nicht „kostenloses Internet“

Ein freies Netz ist ein Netz, das ohne die Kontrolle oder Dominanz von Personen oder Personengruppen existieren kann.

Kostenloses Internet anzubieten ist allerdings nicht die Hauptmotivation von Freifunk, sondern nur ein praktischer Nebeneffekt. In erster Linie ist es das Ziel ein freies Netz zu bauen. Dies könnte ganz unabhängig vom Internet existieren. Stellen wir uns vor, sie stellen einen WLAN Router mit aufgespielter Freifunk Software auf. Ganz ohne Internetzugang. In diesem Moment bieten Sie ein freies Netz an. Menschen können sich über Ihren Accesspoint nun untereinander vernetzen. Ihr Nachbar findet diese Idee toll und stellt ebenfalls einen Freifunk-Router auf, der sich mit Ihrem Router verbindet (vermesht) und den Radius des aufgespannten Netzes vergrößert. Von Fensterbank zu Fensterbank, an dem jeder Freifunk-Router aufgestellt ist.

Denken Sie nun größer. Über mehrere Nachbarn hinweg. Verbindungen könnten über Hausdächer erschlossen werden und könnten ganze Ortschaften miteinander vernetzen. Ab diesen Moment haben Sie das Netz vielleicht initiiert, aber durch die vielen Knotenpunkte die Kontrolle darüber abgegeben. Daten können nun ausgetauscht werden, eigene Dienste können im neuen Netz angeboten werden (Webserver, Webcams…etc.). Sie könnten mit Menschen kostenlos telefonieren oder videochatten oder sogar zusammen Videospiele spielen.

Alles ohne Internetzugang – Das ist Freifunk.

Wir sind Freifunker

…um bei Freifunk mitzumachen Bedarf es einen aufgeschlossenen Geistes und das Bedürfnis Menschen zu helfen, ohne sich selbst aufzuopfern. Viele Menschen besitzen heutzutage keinen Internetzugang und ist an vielen Orten noch nicht verfügbar, gerade an Orten, wo es dringend benötigt wird.

Noch dringender wird ein Anschluss in Institutionen gebraucht, wo Internet ein teures Luxusgut ist…z.B. Heime, Verwaltungen gemeinnütziger Art, Notunterkünfte, Bildungsinstitute. Für Sozial-Benachteiligte ist ein Internetzugang sonst nicht immer erreichbar.

WLAN-Zugänge haben wir Zuhause, jedoch verschlossen und nur für uns reserviert. Die volle Geschwindigkeit unseres Internetanschlusses wird selten voll ausgenutzt, bezahlt wird sie trotzdem. Verschenktes Potential, sodass der Gedanke nahe liegt: Könnte ich meinen Anschluss nicht mit jemandem teilen?

Deshalb wollen wir, Freifunker (Bürger wie du und ich), Leute dazu bewegen Ihren Internetanschluss verfügbar zu machen, OHNE Kosten, Haftungsrisiken oder zeitliche Beschränkungen.

Join the community!

Passive Freifunker stellen einen Freifunk-Router auf und leisten damit ihren Beitrag.
Aktive Freifunker hingegen vernetzen sich mit den anderen Kollegen, tauschen einander Erfahrungen aus, fragen vielerorts an, ob ein Internetanschluss nicht frei verfügbar gemacht werden könnte, um das Netz auszubauen. Auf lokalen Treffen in deiner Nähe kannst du uns auf ein Bier (oder ein anderes kühles Getränk ;-)) begegnen, um erste Erfahrungen zu sammeln. Termine dazu stehen immer auf der Webseite. Ansonsten kann der erste Kontakt gerne über Slack geschehen.

Freifunk-Möhne Treffen Frühjahr 2016